Hallöchen miteinander :)
Wie so manche Leserin ja bemerkt hat, war ich in den letzten Monaten blogtechnisch nicht mal mehr sporadisch aktiv, sondern in der Versenkung verschwunden. Ich habe nun die letzten Tage überlegt, ob ich über den Grund dieses Verschwindens schreiben soll oder nicht. Nach dem Lesen des heutigen
Ordnungshüterinnen-Post habe ich mich dafür entschieden - auch und vor allem für mich selbst. Das www vergisst schließlich nichts und in den Tiefen meiner Festplatte würde der Text wohl auf Nimmerwiedersehen untergehen.
Wie ja einige wissen, habe ich mich letzten Oktober von T., früher-bekannt-als-Traummann, getrennt. Diese Entscheidung kam für viele überraschend und auch irgendwie übereilt. Statt mich erstmal in Ruhe mit allem auseinander zu setzen, habe ich alle Emotionen in diesem Zusammenhang in einen "Schrank" gesperrt, bin erst zu einer Freundin und dann in die Studienstadt gezogen. In den Pausen zwischen Arbeit und Uni gab es für mich eigentlich nur eins: Partys bis zum Umfallen. Und es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass ich entweder in der Uni, arbeiten oder feiern war. Schlaf war Mangelware, dafür floss Alkohol in rauen Mengen. So im Nachhinein muss ich auch ehrlich zugeben, dass mein Freundeskreis "sauber" ist hat mich wahrscheinlich davor bewahrt, mit Schlimmerem in Kontakt zu kommen. Ich denke, ihr versteht, was ich meine.
Wie das Leben so spielt, näherten T. und ich uns irgendwann wieder an. Meine (katastrophale) finanzielle Situation, aber auch familiäre Rückschläge wie der
Tod meiner Großtante, hatten eine emotionale Talfahrt ausgelöst, die er zumindest zeitweise stoppte.Wieder stopfte ich allerhand Gefühlskram in den "Schrank", ohne weiter darüber nachzudenken oder zu reflektieren.
Als T. von einem Tag auf den anderen plötzlich eine Neue hatte, wurde aus meiner Talfahrt ein freier Fall. Die Türen des imaginären Schranks gaben nach und der ganze Berg aufgestauter Emotionen verschiedenster Art begrub mich, wie eine Lawine.
In der folgenden Nacht wachte ich mit einer Panikattacke auf, die es in sich hatte. Damit hatte ich zu der Zeit, als T. in China arbeitete, schon meine Erfahrungen gesammelt, aber diese Nacht übertraf alles. Wenn ich nur daran denke, kriecht die nackte Angst meinen Rücken hinauf. Egal, was ich unternahm, nichts half. Ich stolperte stundenlang wie ein eingesperrtes Raubtier durch die Wohnung, gefangen in meiner Gefühlswelt, ohne Ausweg. Nach 4 Stunden (!) lies die Panik schließlich etwas nach und machte einem Weinkrampf Platz. Auch dieser war nicht in den Griff zu kriegen, weshalb ich schließlich beim Arzt landete und mit Beruhigungsmittel vollgepumpt wurde. Es dauerte weitere 3 Stunden, bis die Heulerei aufhörte und ich fähig war, einigermaßen klar zu denken.
Leider sollte diese Attacke nicht die einzige bleiben und mein emotionaler freier Fall war für mich nicht mehr aufzuhalten, weshalb ich mich schließlich erst in die Hände eines Therapeuten und später in die von Medikamenten begab. Letztere hauten mich mit ihren Nebenwirkungen körperlich zwar erstmal um, brachten mich seelisch aber sehr schnell wieder in Richtung Gleichgewicht, so dass ich schlaflose Nächte, Panik und Heulkrämpfe langsam aber sicher hinter mich bringen konnte.
Die Nebenwirkungen ließen leider nur bedingt nach und ich hatte wochenlang zu kämpfen, wusste aber, dass ich meiner Seele diesen Schutz noch nicht wegnehmen konnte und durfte. Doch das Schicksal zeigte sich einsichtig und ich traf zufällig jemanden, der meinen Fall erst bremste und schlussendlich dabei half, ihn komplett zu beenden. Ohne es zu wissen, half M. mir, mein Selbstbewusstsein wieder zu finden und polierte es nebenbei auch ordentlich auf ;-) Er hob den "Schrank" an und ich räumte nach und nach den ganzen Emotionsmüll darunter raus und auf.
Einiges musste und muss in diesem "Schrank" bleiben, kann nicht aufgeräumt werden. Seit der Therapie ist mir das klar. Aber irgendwie ist es auch ein bisschen beruhigend zu wissen, dass man an diesen Päckchen nicht rumdoktern muss, sondern sie einfach da lassen kann, wo sie sind!
Ich bin jedenfalls froh, dass ich den Mut hatte, mir Hilfe zu suchen und diese in jeder Form angenommen habe, auch die medikamentöse. In dieser Hinsicht war ich sehr überrascht von der Reaktion meiner Freunde. Ich habe nur einer Hand voll davon erzählt, aber bis auf eine reagierten alle mit Bestürzung ob meiner schlimmen Verfassung und Verständnis dafür, dass ich die Tabletten nahm. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet und es verhinderte, dass ich mich abkapselte (wie hätte ich die Nebenwirkungen zB erklären sollen, hätte niemand davon gewusst?!?).
Mittlerweile bin ich wieder frei von Medizin und soweit stabil. Es wäre gelogen zu behaupten, über alles hinweg zu sein. Aber ich weiß jetzt zumindest, wo meine Schwachpunkte liegen und kann besser auf mich aufpassen. Im Nachhinein stellte sich übrigens raus, dass M. auch mit einigem zu kämpfen hatte, als wir uns kennen lernten. Wir haben uns gegenseitig aufgebaut, ohne es zu merken. Schon irgendwie lustig. Wie schlimm es mir wirklich ging und wie viel er für mich getan hat, weiß er gar nicht. Wer weiß, vielleicht erzähle ich ihm irgendwann mal davon.
Ich wünsche niemandem, dass er so etwas durchmachen muss! Aber bitte scheut euch nicht, Hilfe anzunehmen, wenn ihr einmal in einer Sackgasse steckt. Man muss sich nicht quälen und allein durch die Hölle gehen! Oft hört man "Da musst du halt durch.", aber das stimmt nicht. Ganz im Ernst? Man kann auch ohne Strom, fließendes Wasser und Heizung leben. Machen wir aber nicht und warum? Weil es das Leben unnötig erschwert!
Oha, obwohl ich das Ausmaß meiner Verfassung nur angerissen habe, ist das hier ein halber Roman geworden. Ich bin ja gespannt, ob das überhaupt jemand liest ;-) Für mich ist es gut, dass ich diese Zeit so zusammengefasst habe und das ist mir eigentlich das wichtigste.
Achja, eine weitere Hilfe war mir übrigens dieses Buch bzw. das Hörbuch dazu: "Mängelexemplar" von Sarah Kuttner. Die Geschichte ist fast schon identlich mit meiner, was mich manchmal ein bisschen erschreckt hat. Auf der Onlineplattform des
STERN habe ich einen "ganz okayen" (der Ausdruck stammt aus dem Buch ;-) Oha, ist das jetzt ein Plagiat??) Artikel darüber gefunden - auch wenn da mal jemand vor der Veröffentlichung hätte Korrekturlesen sollen.